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"Glückwunsch, Du hast den Boston-Marathon überlebt": Auch Adidas muss Social Media-Schelte einstecken

Nils Jacobsen
Wirtschaftsjournalist und Techblogger
Diesmal ins Abseits gelaufen: Sportartikler Adidas (Bild: © Adidas / Facebook)

Eigentlich läuft es rund für Adidas: Die Drei-Streifen-Marke spurtet seit Jahren an der Börse höher und höher und kann dem Erzrivalen Nike auf dem Heimatmarkt weiter Marktanteile abjagen. Am Wochenende erlebten die Herzogenauracher in den USA anlässlich des Boston-Marathons jedoch nach einer pietätlosen Email ein Social Media-Debakel.

Es gibt nicht viele deutsche Unternehmen mit einer Tradition wie Adidas: Das unterstrich am Osterwochenende eindrucksvoll der ARD-Zweiteiler „Die Dasslers“, der die bewegten ersten fünfzig Jahre des Sportartikel-Pioniers nachzeichnet.

Nach dem Verkauf des Familienunternehmens an Investoren 1990 verlief die Geschäftsentwicklung dann so wechselhaft wie eine Bundesligasaison: Auf eine schwierige Phase in den 90ern folgte das Comeback in den Nullerjahren, das in eine Durststrecke zu Beginn dieses Jahrzehnts überging.

Adidas verschickt pietätlose Email: „Glückwunsch, Du hast den Boston-Marathon überlebt!“

Seit ein paar Jahren hat Adidas nun aber wieder den Spurt angezogen und verdient so gut wie nie. Sogar den Erzrivalen Nike hat der größte deutsche Sportartikelhersteller zuletzt auf dem Heimatmarkt düpiert: Der Retro-Sneaker „Superstar“ war im vergangenen Jahr der meistverkaufte Schuh im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Ärgerlich nur, dass Adidas in den USA am Wochenende einige Sympathien verspielt hat. Auslöser dafür war eine Email an die Teilnehmer des Boston-Marathons. „Congrats, you survived the Boston Marathon“, lasen die 26.500 Teilnehmer gleich in der Email-Betreffzeile: „Glückwunsch, Du hast den Boston-Marathon überlebt!“

Twitter-Reaktionen: “Die Betreffzeile ist etwas unsensibel, meinst Du nicht, Adidas?”

Die Wortwahl hätte unglücklicher kaum gewählt sein können: Beim Boston Marathon vor vier Jahren wurden nach der Detonation von zwei Sprengsätzen bekanntlich drei Menschen getötet und weitere 260 verletzt. Entsprechend fiel das Social Media-Echo aus: Zahlreiche Twitter-Nutzer erinnerten den deutschen Sportartikler auf dem 140-Zeichen-Dienst an das unsensible Wording.







Bei Adidas kam die Botschaft schnell an. „Es tut uns unglaublich leid“, teilte die US-Dependance der Drei-Streifen-Marke in einem Statement auf Twitter mit. „Wir haben eindeutig nicht über die unsensible Betreffzeile der Email nachgedacht. Wir entschuldigen uns zutiefst für unseren Fehler“, leisteten die Herzogenauracher öffentlich Abbitte.

Es ist bereits das vierte Mal im April, dass ein global agierender Konzern in den sozialen Medien harsche Kritik einstecken muss. Vor einer Woche war United Airlines nach dem dramatischen Rauswurf eines Passagiers eine Welle der Empörung entgegengeschlagen, eine Woche davor sorgte die misslungene Pepsi-Kampagne und das streitbare Nivea-Posting für Social Media-Aufregung.

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